• Sandra Weißflor

Hypnose bei Traumata (PTBS)

Die Posttraumatische Belastungsstörung

Bereits vor über 3000 Jahren gab es Anhaltspunkte für das seelische Leiden von Soldaten nach Kriegserlebnissen, welche sich heute auf Keilschrifttafeln aus Mesopotamien finden. Die Soldaten kämpften nach Ende des Gefechts nicht mehr gegen menschliche Feinde, sondern gegen einen unsichtbaren Gegner. Sie waren geplagt von Flashbacks, Alpträumen und Depressionen, konnten sich nicht konzentrieren, sprachen undeutlich und waren nervös.


Ging man früher von der Heimsuchung böser Geister aus, würde man heute eine Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, diagnostizieren. Obwohl diese Diagnose ihre Wurzeln im Krieg hat, weiß man heute, dass Soldaten und Zivilisten gleichermaßen an einer PTBS erkranken können.


Der Störung liegt immer eine verzögerte Reaktion auf ein Trauma zugrunde, welches einmalig, z.B. bei einem Unfall erlebt werden kann oder über einen längeren Zeitraum bzw. wiederholt auftritt, z.B. bei Folter, anhaltenden sexuellen Übergriffen oder Kriegsgefangenschaft. Das Risiko einer Traumatisierung steigt, je länger das Trauma anhält und je belastender es erlebt wird.


Der Begriff Trauma

Ein Trauma ist ein schwerwiegendes belastendes Ereignis mit außerordentlicher Bedrohung des eigenen Lebens oder der eigenen Sicherheit. Der Betroffene wird mit Gefühlen von Angst, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein konfrontiert, wobei es subjektiv keine Möglichkeit der Bewältigung dieser Situation gibt. Das Verständnis von sich selbst und der Welt wird dabei tief erschüttert und kann zu einer psychischen Störung führen. Eine PTBS lässt sich ausnahmslos immer auf ein Trauma zurückführen.


Wissenswertes

Ob eine PTBS nach einem traumatischen Erlebnis auftritt, hängt auch von der emotionalen Stabilität ab. Denn nicht jeder, der einem tragischen Ereignis zum Opfer fällt, entwickelt auch eine Störung. Belastende Vorfälle, wie z.B. eine Fehlgeburt, der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Scheidung können traumatisch sein und als massive Lebens- und Seelenkrisen empfunden werden, lösen aber in der Regel keine PTBS aus. Sollte es hier zu einer Störung kommen, ist dies vorrangig den Anpassungsstörungen zuzuordnen.


Ein schweres Trauma hingegen verstört den Betroffenen zutiefst und nachhaltig. Das Erlebte befindet sich jenseits des üblichen Erfahrungshorizontes und würde bei jedem zu einer PTBS führen können.


Statistisch betrachtet besteht bei Traumata durch Folter, Krieg oder einer Vergewaltigung zu 50% das Risiko, eine PTBS zu entwickeln, wohingegen es sich bei Naturkatastrophen, Unfällen oder schweren Krankheiten bei etwa 10% einpegelt. Bestimmte Berufsgruppen oder auch Ersthelfer an einem Unfallort sind ebenfalls einem erhöhten Risiko ausgesetzt.


Wie äußert sich eine PTBS?

Erste Symptome können wenige Wochen, aber auch erst Jahrzehnte nach dem erlebten Trauma auftreten.


Betroffene fühlen sich emotional taub, empfinden Gleichgültigkeit gegenüber Menschen und Situationen und können teilnahmslos oder wie abgekapselt wirken. Ständige Wachsamkeit gegenüber einer unsichtbaren Gefahr lässt sie schreckhaft, leicht reizbar oder auch aggressiv werden. Sie sind emotional instabil und leiden unter dem ständigen Wiedererleben des traumatischen Ereignisses, was sich durch Flashbacks, Alpträume oder sogenannte Trigger im Alltag (Gerüche, Orte, Situationen) zeigt. Alles, was an das Trauma erinnert (Orte, Situationen, Menschen, Stichworte oder andere Schlüsselreize) wird zunehmend vermieden, wodurch es nicht selten zu sozialem Rückzug und vollkommener Isolation kommt.


Häufig gehen mit der PTBS andere psychische Erkrankungen einher, wie z.B. Depressionen, Angst-, Zwangs-, und Panikstörungen und dauerhafte Persönlichkeitsveränderungen. Das Suizidrisiko sowie das Potential für den betäubenden Suchtmittelgebrauch sind erhöht. Meistens empfinden Betroffene Schuld- und Schamgefühle. Sie empfinden es beispielsweise als Lebensschuld, als einzige überlebt zu haben oder es quält sie, wie sie sich verhalten mussten, um zu überleben. Ein chronischer Verlauf ist möglich, aber die Heilungschancen stehen ebenfalls gut.


Wie Kinder und Jugendliche eine posttraumatische Belastungsstörung erleben

Die kindliche und jugendliche PTBS wird vor allem durch innerfamiliäre Gewalt, außereuropäische Kriege, Naturkatastrophen oder Unfälle ausgelöst. Wichtig ist die Erkenntnis, dass eine posttraumatische Belastungsstörung bereits im Mutterleib erlebt werden kann – zum Beispiel durch misslungene Abtreibungsversuche, Geburtskomplikationen oder frühkindliche Schütteltraumata. Als Folgen können bei betroffenen Kindern oder Jugendlichen neben Flashbacks auch emotionale Dumpfheit, Entfremdungsgefühle, Desinteresse am menschlichen Umfeld oder Übererregtheit mit Begleitsymptomen wie Reizbarkeit, Aggressionsverhalten oder Konzentrationsstörungen auftreten. Viele betroffene Kinder rechnen mit einem frühen Tod oder sorgen sich übermäßig um ihre Verwandten. Außerdem zeigen die Betroffenen psychosomatische Symptome verschiedenster Art. Oftmals sind die ersten Folgen eines Trauma-Erlebnisses schon wenig später spürbar. Für eine posttraumatische Belastungsstörung sprechen die sogenannten Flashbacks, das ständige Neuerleben des traumatischen Ereignisses. Flashbacks treten urplötzlich und ohne Vorwarnung ein. Sie können durch Geräusche, Gerüche, Gesten oder etwas Gesehenes getriggert werden. Der auslösende Anlass ist für den Betroffenen nicht erkennbar.


Hypnosetherapie bei Traumata

Eine konventionelle Kassen-Psychotherapie besteht meistens aus einer Stabilisierungsphase, an die sich eine Rekonfrontationsphase anschließt. In dieser wird der Betroffene systematisch mit dem Trauma konfrontiert und dabei kann eine physiologische Löschung im Gehirn mittels EMDR stattfinden. In der klassischen Verhaltenstherapie bedient man sich oftmals dem schrittweisen Aushalten mit einem gleichsam eingesetzten Entspannungsverfahren, welches zunächst in der Vorstellung und anschließend im Alltagsleben umgesetzt wird.


In der Hypnosetherapie kann der Betroffene zunächst entspannen und sich einen sicheren Ort in seinem Inneren schaffen. Über das Installieren von Codewörtern kann jederzeit zuhause ein unmittelbarer Entspannungszustand herbeigeführt werden, um das Nervenkostüm langsam zur Ruhe kommen zu lassen. Mit Hypnose können Traumata effektiv behandelt werden. Der Hypnotherapeut führt den Betroffenen behutsam in die belastende Situation zurück. Nun kann der Betroffene in geschützter Atmosphäre alle Gefühle ausleben, die damals blockiert und unterdrückt wurden.


Worum geht es bei der Therapie einer PTBS

Unser Alltagsleben ist schwieriger geworden. Wir erleben immer häufiger schon in jungen Jahren Gewalt oder sexuellen Missbrauch. Fachärzte und Psychologen haben es immer öfter mit Menschen zu tun, die frühen und schweren Traumatisierungen unterlegen waren. Dazu gehören auch die traumatisierenden Erlebnisse bei einem brutalen Überfall oder einem schweren Unfall. Geschieht dieses Trauma nur einmalig im Leben, ist es leichter zu verarbeiten und behandeln. Ähnliches gilt, wenn das traumatische Ereignis noch nicht allzu lange zurückliegt. Hier kann eine Therapie relativ schnell greifen und die Betroffenen entlasten. Eine oder mehrere Sitzungen beim Therapeuten sind die Regel. Der Betroffene kann nicht von den Bildern und Erinnerungen befreit werden, die mit dem Erlebnis abgespeichert wurden. Es geht nicht darum, diese von sich abzuspalten oder zu verdrängen. Sie verblassen im Laufe der Jahre von alleine. Es geht bei der Therapie vielmehr darum, die belastenden Folgen solcher Bilder und Erinnerungen zu bewältigen. Beim Erinnern werden nach der Therapie keine Panikattacken mehr wachgerufen.


Für Angehörige

Betroffene sollten nach einem traumatischen Erlebnis von Angehörigen unbedingt aufgefangen werden. Das bedeutet aufmerksam zuzuhören und die Gefühle desjenigen ernstzunehmen. Bei Äußerungen in Richtung Suizid sollte unverzüglich ein Arzt eingeschaltet werden. Betroffene sollten darin bestärkt werden, eine Therapie zu beginnen.




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