• Sandra Weißflor

Stillen – das Natürlichste der Welt! Oder? Wenn das Thema in den Brüsten sitzt…

Wir haben fast alle die Bilder von stillenden Müttern im Kopf, die sich verliebte Blicke mit ihrem Baby im Arm zuwerfen. Sie strahlen bis über beide Ohren, sehen top gestylt aus und es scheint ganz leicht wie von selbst zu funktionieren.


Eine Frau sagte mir mal: „Jede Frau kann stillen!“


Ich habe das lange geglaubt und mich an dieser Aussage fast „kaputt geglaubt“, denn dieser Satz erzeugt nur eines, nämlich Druck. Und bei „Nichtschaffen“ noch Schuld- und Schamgefühle sowie Versagensängste. Stillen ist so viel mehr, als einfach nur sein Baby an die Brust zu legen und den Rest einfach von selbst laufen zu lassen. Nach dem Motto „Meine Brust und mein Baby machen das schon“. Im besten Fall kann das genau so laufen und ich freue mich aufrichtig für jede Mama, bei der es leicht fließt. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass es eben nicht immer so easy peasy ist. Und an dieser Stelle haben Dinge wie Versagen, Schuld, Scham oder Urteil keinen Platz! Auch ich durfte die heilsame Erfahrung machen, mich von jeder Vorstellung darüber, wie es zu sein hat, zu lösen. Mein erstes Kind ist aus einer Not heraus mit der Flasche groß geworden, was mir viel Schmerz und Unbehagen bereitete. Bis ich diese quälenden Schuldgefühle gehen lassen konnte, verging viel Zeit.


„Jetzt, bei meinem zweiten Kind, schaffe ich es!“


Das war mein Anspruch an mich selbst. Und ich habe es mit meiner ganzen Hingabe versucht. Habe Hilfe von verschiedenen Menschen angenommen und diverse Maßnahmen zur körpereigenen Unterstützung durchgeführt. Sobald ich eine Hürde genommen habe, tauchte eine neue auf. Und immer wieder habe ich mein Bewusstsein auf das Schöne gerichtet. Habe mein Kind angesehen und mich in einen vertrauensvollen Zustand geholt. Aber an irgendeinem Punkt bin ich ausgestiegen. Denken, Fühlen und Wollen waren nicht mehr kongruent. Was ist passiert? Das, was sich einst so schön angefühlt hat, wonach ich mich so sehr gesehnt hatte, fühlt sich plötzlich leidvoll und anstrengend an. Ich war müde. Fühlte mich erschöpft. Wollte, dass es aufhört.


Dazu zwang mich mein Körper jedenfalls mit immer weiteren Widrigkeiten, die er mir schickte. Ich brauchte eine Pause. Diese nutzte ich, um mir meiner selbst bewusst zu werden. Und dabei wurde mir klar, dass ich längst aufgegeben hatte. Wie kann ich mein Baby nähren wollen, wenn ich selbst nicht mehr kann? Wenn sich alles um dieses eine Thema dreht und es meinen gesamten Alltag einnimmt? Wenn ich fast rund um die Uhr mit Maßnahmen beschäftigt bin, um meinen Körper zu unterstützen? Versuche, Loch für Loch zu stopfen, aber nicht mehr in der Fülle bin? Ja, dann kann ich für niemanden sorgen – weder für mich selbst noch für mein Baby! Aber genau das wäre jetzt wichtig gewesen: gut für mich zu sorgen. Liebevoll mit mir selbst zu sein, meine körperlichen Grenzen zu achten und mich dem Fluss des Lebens hinzugeben.


Manchmal läuft es nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben.


Ich habe gelitten. Ja, ich habe mir mein eigenes Leid erzeugt. Weil ich dachte, dass ich nur stillend eine gute Mutter für mein Baby sein kann. Weil ich dachte, dass mein Kind es "verdient" hat. Weil ich dachte, dass ich da jetzt einfach durch muss. Viele Mütter haben schließlich Schmerzen oder Anlaufschwierigkeiten.


Und das ist wieder? Bewertung! Und Abwertung mir selbst gegenüber. Dieses ständige Vergleichen, zu anderen rüberschielen, die Bissigkeit unter Müttern, Idealvorstellungen usw. Das muss aufhören!


Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Frau nicht stillen KANN, auch wenn sie es noch so sehr möchte.


Ich bin durch so viele Emotionen, Bilder, Gedanken und Schmerzen gegangen und ich habe tiefstes Mitgefühl mit jeder Mutter, die durch ähnliche Erfahrungen geht. Wenn du eine Mutter siehst, die ihr Kind mit der Flasche füttert, dann stemple sie bitte nicht ab. Du weißt nicht, wie ihr Weg bis zu dieser Entscheidung aussah. Mit diesen Zeilen möchte ich dir sagen: ES IST OKAY! ICH BIN OKAY! DU BIST OKAY!


Wir müssen uns wieder die Erlaubnis geben, etwas da sein zu lassen.


Und auf unseren Lebensfluss zu vertrauen. Wer weiß, wozu eine Erfahrung gut ist. Vielleicht gibt es einen viel besseren Plan für unser Leben als unsere festgelegte Vorstellung. Ich bin die beste Mama für mein Kind, so wie auch du die beste für dein Kind bist! Wir sind genau deshalb die besten Mütter für unsere Kinder, weil wir es einfach sind. Punkt. Dem ist gar nichts mehr hinzuzufügen. Wenn du merkst, dass du nicht allein durch den Dschungel der Gefühle kommst, dir die Berge und Täler unbezwingbar erscheinen und du dich nach einer liebevollen, tragenden Gemeinschaft sehnst, melde dich gern bei mir. Du bist jederzeit herzlich willkommen. Denn der Weg ist dort, wo es sich friedvoll anfühlt…








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